K o s c h  A g a s c h
produktion für theater // 2007

Für den mythischen Menschen war die Mitte der Welt objektiv verwurzelt durch den Bezug auf die feststehende Mitte des Raums überhaupt. Für ihn war daher das Wohnen kein Problem. Seitdem aber diese objektive Mitte verloren gegangen ist, fällt auch die Verankerung in einem objektiven System fort. Der Mensch wird heimatlos auf der Erde, weil er an keinen Ort mehr besonders gebunden ist. Er wird zum ewigen Flüchtling in einer bedrohlich auf ihn eindringenden Welt. Das ist in der Tat die Gefahr des modernen Menschen. Aber daraus entsteht auch umgekehrt wieder seinen Aufgabe.
(Otto Friedrich Bollnow; aus: Mensch und Raum, 1960)

Jede Bewegung zielt auf Ruhe, denn am Ende jeder Bewegung muss es etwas geben, das bleibend ist.
(Aristoteles)



Wir jagen durch die Welt. Rastlos. Unaufhaltsam. Immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick, dem noch nicht gekannten Erregungszustand, dem neuen grenzüberschreitenden Erlebnis.

Wir sind überall und nirgendwo zuhause; tapfer mühen wir uns, unserer zunehmend bindungslosen und unabhängigen Existenzweise mit Freude zu begegnen, Wurzeln und Halt zu finden im Stadium des ständigen Aufbruchs.

Wir sehnen uns nach mehr als bloßem Konsum, wir wollen raus aus unserer kleinen satten Welt, raus aus den staubigen Höhlen unserer aufgeblasenen egomanen Seelenlandschaften.

Früher reiste man als Krieger, Händler, Pilger oder Adeliger, heute reisen wir vor allem als Armuts- oder Zivilisationsflüchtlinge. Was uns aus den Überflussgesellschaften des Nordens in den Süden und immer mehr auch gen Osten treibt, ist dabei überwiegend das Gefühl spiritueller Leere, geistigen Burn-Outs und ein Überfluss an Armut in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

KOSCH AGASCH ist innere und äußere Reise in einem; eine Reise an einen Ort irgendwo am Ende der Welt; eine Metapher für das Leben in Zwischenräumen: zwischen Aufbruch und Ankunft, zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Heimat und Ferne.

KOSCH AGASCH ist eine theatrale Expedition zu den Bedingungen unseres gegenwärtigen Seins, die das Heimischwerden in der Welt zu einer dynamischen, ja gar nomadischen Tätigkeit haben werden lassen.



mit: Mirca Preißler, Julia Schleipfer, Graciela González de la Fuente, David Jeker, Marco Wittorf
Regie/Bühne/Textfassung: Dieter Krockauer
Licht: Mathias Filbrich

Premiere: 01. Februar 2007, Commedia Futura/Eisfabrik Hannover
Eine Koproduktion mit dem Forum Freies Theater (FFT), Düsseldorf und der Commedia Futura/Eisfabrik, Hannover
Kosch Agasch wurde gefördert von:
Land Niedersachsen, Niedersächsische Lottostiftung, Fonds Darstellende Künste e.V.






+++ Fotos: Michael Fuchs


















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