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O F F E N B A R U N G 2 .0 produktion für theater // 2009 Worüber wird man sprechen, wenn man an das 21. Jahrhundert zurück denkt? Das Jahr 2008 in dreihundert Jahren? / Internet, Globalisierung. / Typische Antwort. / Über den Amoklauf der Wirtschaftssysteme. / Aha. / Über mich hoffentlich. / Madonna. / Das Comeback von Led Zeppelin. / In dreihundert Jahren? / Über den Anfang vom Ende wahrscheinlich. Über den Anfang des großen Zeitenwandels. / Eine sehr deprimierende Aussicht. / Zeitenwandel? Ist doch nicht deprimierend. Wandel ist nicht deprimierend. / Ich sehe, langsam gehen uns die Stichworte aus. Ich würde mal sagen, wahrscheinlich wird man in historischer Zukunft weniger über Technologien wie Internet oder Mobiltelefone sprechen, als über die gewaltige Umwälzung, die im Bereich des menschlichen Verhaltens geschehen musste. Zum ersten Mal steht eine wachsende Zahl von Menschen vor echter Wahlfreiheit und muss lernen, sich selbstverantwortlich zu managen! ![]() Drei Männer. Längst nicht mehr jung und noch lange nicht alt. Nach den jüngsten Enttäuschungen radikaler Hoffnungen vorübergehend wohnungslos, temporär freigesetzt, insolvent, strukturschwach. Mittendrin war gestern und wird so schnell nicht wieder. Drei Männer. Hin- und hergeschleudert zwischen Kaufkraft und Kaufschwäche, zwischen freudig-optimistischem Aufbruch und lähmender Stagnation, zwischen dem, was die Sache erfordert und dem, was das Herz begehrt. Begleitet vom Sound der Großstadt, der zunehmend der Sound des Warenhauses ist, behaupten sie mit anachronistischem Stolz ein Leben jenseits des allgegenwärtigen Verwertungsprinzips, reden in absurd-heroischen Monologen gegen die Sorgen einer ungesicherten Zukunft an und erfinden melodramatische Songs über ein Leben in Fülle und verschwenderischer Hingabe. ![]() Drei Männer leisten ihren ganz persönlichen Offenbarungseid: Was es heißt, durch zu kommen. In einer großen Stadt. In einem eigentlich reichen Land. In einem Jahrhundert des Übergangs. In einer Gesellschaft, die kaum mehr solidarisch ist. In einem Staat, der den Fürsorgegedanken über Bord werfen, und das Leben nur noch sanktionierend verwalten will. In einer Zeit, in der Lohnerwerb einem Lotteriegewinn gleich kommt und sich Mündigkeit in Kaufkraft erschöpft. Inmitten der multiplizierten Kraft abstrakter Zahlen, die den Einzelnen zur Unerheblichkeit verurteilt. ![]() OFFENBARUNG 2.0 ist der zweite von drei Teilen der thematischen Reihe <Megastadt-Großstadt-Tote Stadt>, bei der unitedOFFproductions den Fokus auf die Lebensentwürfe von Menschen richtet, die sich trotzig und stolz in den sich durch Arbeitslosigkeit, ungerechter Einkommensverteilung und Globalisierung wandelnden Stadtlandschaften behaupten. Nachdem unitedOFFproductions in der vorangegangenen Produktion ALLES WIRD SICH HIER VERÄNDERN den roten Lebensfäden der Bewohner in den grauen Randbezirken der Mega-Metropole Mexico-City gefolgt ist, wird nun das Berliner Großstadtleben seismographisch erfasst und theatral bearbeitet. Auch hier lässt sich zunehmend ein Anstieg von Mittellosigkeit und existentieller Ungesichertheit beobachten. Die Schlangen vor den Armenküchen werden täglich länger, jeder sechste Einwohner lebt von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. Gleichzeitig schüren medial und politisch inszenierte Kampagnen eine hysterische Angst vor dem sozialen Abstieg und dem Verfall der Sicherungssysteme. Das Gefühl der drohenden, unüberwindbaren Armut scheint jegliche Neu- und Selbstbestimmung des Lebens unmöglich zu machen. ![]() mit: David Jeker, Marco Wittorf, Michael Ulfik Regie, Bühne: Dieter Krockauer Dramaturgie: Henriette Dushe Texte: Jeker, Wittdorf, Ulfik, Dushe, Krockauer Textfassung: Dieter Krockauer Lichtdesign: Hans Fründt Technische Leitung: Fabian Bleisch, Hans Fründt Produktion: Frauke Luther Produktionsassistenz: Anka Belz Management: Mirca Preißler Eine Produktion von unitedOFFproductions. Eine Koproduktion mit: Forum Freies Theater (FFT) Düsseldorf, Commedia Futura/ Eisfabrik Hannover und Schaubühne Lindenfels Leipzig. Gefördert von: Land Niedersachsen, Stiftung Nord/LB-Öffentliche Braunschweig, Niedersächsische Lottostiftung ![]() +++ Fotos: Michael Fuchs |
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